Einfach mal auf Plastikverpackungen beim Lebensmitteleinkauf verzichten
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Plastik – es ist überall. Die Abbauzeit einer Plastikflasche beträgt durchschnittlich 450 Jahre. Im Gegensatz dazu benötigen Papiertaschentücher nur 2 bis 3 Wochen. Fachleute schätzen, dass es bereits 2050 mehr Plastik als Fische im Meer geben wird. Es wirkt, als hätten wir den Kampf gegen den Plastikmüll längst verloren. Beziehungsweise gab es nie wirklich einen ernstzunehmenden Kampf gegen das Plastik. Plastikabfälle im Westen werden aus dem Land geschafft und landen in Südostasien, wo sie wiederum auf unüberschaubaren Mülldeponien oder im Meer landen.
Doch durch dieses unüberwindbar scheinende Problem dürfen wir nicht den Mut verlieren. Jede*r Einzelne von uns kann dazu beitragen, dass ein Buckelwal im Indischen Ozean ein Plastiksackerl weniger verschluckt.
Hard Facts – Plastikverbrauch Weltweit
- In Österreich fallen jährlich 920.000 Tonnen Plastikmüll an. Davon wird 72% verbrannt, während nur 28% recycelt wird.
- Innerhalb der letzten 75 Jahre ist die Plastikproduktion weltweit um fast 20.000% gestiegen.
- Weltweit werden mehr als 400 Millionen Tonnen Plastik produziert. Wie ihr auf dieser Grafik seht, fallen dabei mehr als ein Drittel auf Verpackungen:

HUNGRIG nach mehr Wissen? Detaillierte Infos gibt’s hier: Global2000 Plastikatlas 2019
VERZICHT #3:
Eine Woche OHNE Plastikverpackungen beim Lebensmitteleinkauf
Also ich muss ehrlich sagen – vor dieser Challenge habe ich mich schon etwas gefürchtet. Ich habe sie auch ein paar Tage hinausgezögert, denn bei jedem Lebensmitteleinkauf war eine Plastikverpackung dabei. Also hieß das Motto für ein paar Tage: Ab morgen geht’s los!
Nach Tagen des Verdrängens ist es dann tatsächlich so weit.
Was ich normalerweise schnell in einem Supermarkt um die Ecke kaufe, muss ich nun in zwei verschiedenen Supermärkten und einer Bäckerei besorgen.
Es gibt Lebensmittel, auf die ich in dieser Woche verzichten werde. Darunter fallen Streichkäse, Karotten, Fruchtsäfte und Süßigkeiten. Hier habe ich leider keine plastikfreie Alternative gefunden.
Dann habe ich diese Woche Lebensmittel „anders“ gekauft. Tomaten, Gurken und Paprika habe ich mir lose in Stoffbeutel gepackt. Meine geliebten Cherrytomaten aus Österreich müssen losen großen Tomaten aus Spanien weichen. Leider sind auch Bioprodukte meist in Plastik eingepackt und man muss sich entscheiden zwischen Bio & Regional in Plastik oder Konventionell & International ohne Plastik. Natürlich vergrößert sich so mein ökologischer Fußabdruck eher, doch diese Woche geht es eben um das Vermeiden von Plastik und das verringert die Auswahl an Obst und Gemüse um das Vielfache.
Bei meinem plastikfreien Einkauf befindet sich die Milch nicht im Tetrapak, sondern in einer Glasflasche. Auch wenn Tetrapak oft als sehr nachhaltig angepriesen wird, kann nur knapp ein Drittel von dieser Verpackung recycelt werden. Außerdem bestehen ja die Verschlüsse aus Plastik und deshalb sind Tetrapaks ein No-Go für die nächsten Tage.
Weil sich diese Woche die Auswahl an „kaufbaren“ Lebensmitteln radikal einschränkt, scanne ich die Supermärkte regelrecht nach plastikfreien Verpackungen ab. So stoße ich auf neue sehr leckere Produkte, wie Joghurts, die ich sonst immer ignoriert habe.
Außerdem hole ich mir Wurst und Käse nicht vom Kühlregal, sondern bestelle direkt bei der Feinkosttheke. Das Verpackungspapier ist zwar mit einer feinen Kunststoffschicht überzogen, aber den Plastikverbrauch habe ich doch um fast 99% eingespart. Darüber hinaus kommt man mit dem Personal ins Gespräch. Ich bekomme gratis Kostproben und schmunzle über anstrengende Kundengeschichten. So wird ein Einkauf ganz von selbst viel unterhaltsamer und kommunikativer.
Auch mein Broteinkauf wird „ursprünglicher“ – denn ich gehe zum Bäcker, der Brot und Gebäck in Papiertüten verkauft.
Insgesamt brauche ich zwar statt 10 Minuten eher 40 Minuten, bis ich alles habe – doch ich habe am Ende des Tages ein gutes Gefühl beim Einräumen in den Kühlschrank.
An der FH kann ich mir diese Woche nicht schnell ein Weckerl in der Mensa kaufen, da die Papiertüten zum Teil auch als Plastik bestehen. Meine Alternativen sind eine warme Mahlzeit oder vorausschauend ein Weckerl beim Backwerk am Bahnhof zu kaufen. Aufgrund von frühmorgendlichem Stress bin ich diese Woche nicht in der Lage, mir einfach eine Jause von zu Hause mitzunehmen. Doch ich werde daran arbeiten, da ich neben Plastik auch Geld einsparen könnte.
Worauf in diesen sieben Tagen noch verzichte ist, Essen per Lieferservice zu bestellen. Denn auch wenn ein Teil der Verpackungen oft schon aus Papier besteht, hätte ich sicher irgendwo ein Plastiksackerl oder Plastikdöschen gefunden.
Mein Getränkekonsum beschränkt sich auf Leitungswasser und Hollersaft in der Glasflasche von Zuhause. Außerdem wird mein etwas verstaubtes Sodastream-Gerät wiederverwendet, um Abwechslung zu schaffen. Auch auf der FH habe ich meine wiederbefüllbare Wasserflasche dabei und verzichte auf Plastikflaschen aus dem Getränkeautomaten. Beim Kaffeeautomat lasse ich mir nur BigCups herunter, da diese im Gegensatz zu den kleinen Portionen aus Papier bestehen.
Natürlich hätte ich auch auf weniger Lebensmittel verzichten müssen, wenn ich in Biomärkten, auf dem Markt oder im Unverpackt-Laden eingekauft hätte. Darüber hinaus hätte ich sicher regionaleres Obst und Gemüse gefunden.
Doch die Herausforderung, auf Plastik zu verzichten habe ich auch so geschafft. Das zeigt, dass wir alle nicht unbedingt in spezielle Läden müssen, um unseren Plastikmüll zu reduzieren – wir können schon beim „normalen“ Supermarkteinkauf damit starten! Wir sollten nur ein paar mehr Gedanken und Zeit einplanen. Diese Zeit können wir am Ende sogar wieder zurückbekommen, indem wir weniger oft den Müll entsorgen müssen.
FAZIT: Auch wenn ich diesen Verzicht täglich gespürt habe, da schon fast alles in Plastik eingepackt ist, bin ich im Nachhinein überrascht, dass ich doch vieles plastikfrei gefunden habe. Es ist zwar praktisch unmöglich völlig auf Plastik zu verzichten, doch ich werde nach dieser Woche sicher auch in Zukunft mehr auf nachhaltige Verpackungen achten und öfter der Feinkosttheke oder dem Bäcker einen Besuch abstatten.
3 TIPPS, wie DU weniger Plastikverpackungen verbrauchst

Hole dir Käse und Wurst bei der Feinkosttheke im Supermarkt. Du kannst genau die Menge kaufen, die du brauchst und bekommst alles in (fast) plastikfreiem Papier eingepackt. Bei vielen Supermarktketten kannst du auch deine eigene Tupperdose mitnehmen und verzichtest dann auf jede Art der Extraverpackung!

Koche selbst! Vermeide Fertiggerichte, die fast ausschließlich in Plastikverpackungen einvakuumiert sind. Damit fügst du nicht nur der Umwelt weniger Abfall zu, sondern auch deinem Körper – denn Fertiggerichte enthalten zu viel Zucker, Salz, Fett und bedenkliche Konservierungsstoffe.

Kaufe unverpacktes Obst und Gemüse und verwende zum Transport zur Kassa und nach Hause wiederverwendbare Beutel aus Biobaumwolle.
















